Noch ein Sightseeing Wochenende, diesmal mit den Lebensgebern

Am Samstagmorgen kamen meine Eltern also an in Lyon, an der Tramstation an meiner Uni empfangen stärken wir uns noch bei einem petit déj. Diese hatten wir in einem Café neben der Uni, ein wahrhaft französisches kleines Café! Vor allem die Toilette, die mit alten Zeitungsartikeln tapeziert war hat es mir angetan. Falls dieses Café in einem Reiseführer stehen sollte würde wohl eine kleine Anmerkung dabeistehen, „schauen sie sich unbedingt die Toilette an“. Falls jemand nicht glauben sollte das auch solche Tipps in den Führeren stehen, der sollte sich mal einen von Marrakech anschauen. Dort werden in der Koranschule ausdrücklich die Toiletten als kleines Highlight erwähnt, es gibt nichts was es nicht gibt! 20141116_134202Naja nach dieser kleinen Café Kunst Episode und dem Check in ins Hotel fahren wir zusammen zum Pont de la Guillotière. Wie ich glaube ich schon ein paar mal erähnt habe, haben viele meiner Komillitonen Angst in dieses Viertel zu gehen, angeblich ist die Taschendiebdichte hier sehr hoch, außerdem ist es anscheinend ein Sammelpunkt für männliche Araber. Für alle die schon einmal in einem muslimisch geprägten( arabisch, persisch, türkisch… was weiß ich) Land waren ist es nichts neues, das man in Cafés, Restaurants und auf den großen Plätzen nur Gruppen von Männern sitzen bzw. stehen sieht, da die Eingliederung von Frauen in die Gesellschaft „anders“ ist. Hier ist das genauso, bei dem kleinen arabisch geprägten Viertel um die Metrostation, ist aber kein Grund Angst zu haben, die hohe Polizeipräsenz sollte einen hier schon etwas beruhigen^^ IMG_0003 KopieNaja raus aus dem kleinen „Problemsviertel“ über die Brücke sind wir schon mitten auf dem Place Bellecour. Die Rue de la Republique hoch, vor dem H&M links eingebogen stehen wir auch schon vor dem Theatre de Celestins. Gerade eben habe ich die ungewöhnlichen Empfehlungen aus Reiseführern angesprochen, hier ist schon wieder so eine, wir sollen uns das Parkhaus anschauen, das mal einen European Parking Award gewonnen hat. Ähhm ja wusste irgendwer das es einen „European Parking Award“ gibt, ich für meine Teil nicht, aber es gibt ja für alles inzwischen irgendeinen Preis…. Wie auch immer, wird sind der Empfehlung gefolgt und haben es uns anschaut, und ja es ist einen Besuch wert.^^IMG_0029 KopieNach den obligatorischen Besuchen, des Amphitheaters und der Basilika Notre Dame de la Fourviere, einem Rundgang durch Vieux Lyon(mit großem Kekseinkauf!!) und dem Place de Terreaux fahren wir zum Parc de la Tête d’Or. Diese größste Grünfläche Lyons beherbergt unter anderem einen botanischen Garten und einen kleinen Zoo. Da der Park allerdings sehr groß ist, wir sowieso schon viel rumgelaufen sind und meine Eltern bereits um 6 aufgestanden sind fahren wir zurück in ihr Hotel um etwas auszuruhen, ist ja fast wie zuhause hier^^  Mit einem Menu, das zu meinem Vergnügen Froschschenkel inbegriffen hatte, schließe ich den Abend und das Wochenende ab.

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Lyon Citytour mit Augsburger Unterstützung/ Salon de Chocolat

Freitagabend

Da ich letzte Woche bei meiner besten Chinymaus zu besuch war, stand jetzt natürlich der Gegenbesuch an!DSCN0200 Kopie
Nach einer Woche voller Klausuren, davon ein Französischgrammatik Test den ich mächtig in den den Sand gesetzt habe, habe ich mich am Ende mit Chiny am Bahnhof Perrache getroffen. Wie immer habe ich den Treffpunkt sehr präzisiert,
Place Carnot… öhhh ja ist ja nicht so, das der Platz nicht nur absolut unübersichtlich, sondern auch noch relativ groß ist… Ein Wunder das wir uns nach nur 10 min gefunden haben! Bei mir angekommen, noch schnell eine Erbsensuppe gegessen und dann schnell zum Vorglühen in Zimmer 209, zu Priya und Danny. Wir probieren mal was neues aus, Barberousse eine Mischung aus Bar/Club unterhalb der Colline de la Croix-Rousse. Eine absolut verrückte Bar die nur aus Korridoren besteht, das macht das tanzen etwas schwierig, eher etwas zum abhängen, die Shots sind allerdings ziemlich lecker!! Aufgrund des Platzmangels wechseln wir dann doch ins Cosmo, dem bleiben wir treu! An diesem Punkt muss ich einmal jemanden ganz besonderen erwähnen, der mich immer wieder aufs neue erstaunt und amüsiert! Corine, eine vermutlich aus meinen Albträumen entsprungene Reinkarnation von Barbie! Oder eher eine Petra…. 4 cm lange rot lackierte Fingernägel, 10 cm High Heels, natürlich in pink, ein sehr gewagtes, vermutlich in der H&M Kinderabteilung erstandenes Kleid( rosa…) alles abgerundet von 3 Tonnen Makeup, falsches Wimpern und maximal toupierten Haaren…. Im Schlepptau hat sie ein Mädchen welches ihr wie ein kleines Hündchen hinterherläuft und sofort springt wenn ihre Majestät eine Erfrischung verlangt! Puhhh wie können die anderen Engländerinnen die nur etragen? Mal abgesehen von dem pinken Dämon war der Abend aber ziemlich perfekt! Ach ja damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt^^   (Ach ja Chiny, sorry das du nur halb auf dem Bild drauf bist, keine Ahnung wer das gemacht hat xD)    10636145_10152958303325832_2855686438506532607_n


Samstag

Nach einem etwas kargen Studentenfrühstück machen wir uns auf den Weg, mit der Metro D bis zu zur Station Vieux Lyon und

DSCN0224von da mit dem Funiculaire (einer kleinen Zahnradbahn) zum Theatre romain. Nächster Stopp, la Basilique Notre Dame de la Fourvière, der prächtigen bereits merhfach in meinem Blog erwähnten Kirche die über der Stadt thront. Davor macht Chiny ein Foto von mir in der typischen Fotopose der Japanerinnen. Zu meinem Geburtstag haben meine Freundinnen mir 17 oder so Aufgaben gestellt, die ich bis zu meiner Abreise erfüllt haben muss… Natürlich muss ich von jedem Moment ein Foto machen und zwar mit einer Einwegkamera, das heißt ich habe keine Ahnung wie sie geworden sind. Meine Freunde meinen so sind die Fotos einzigartig, naja dann hoffe ich mal das sie einzigartig gut sind… Wie auch immer, wieder unten im Vieux Lyon, flanieren wir durch die kleinen Gassen, an der Saone entlang, machen einen kurzen Halt bei den Lyoner Bouquinisten und landen schließlich im Croix Rousse, meinem bevorzugten Viertel in Lyon. 20141108_152642
Hier gibt es nicht nur super Clubs und Bars sondern auch wahnsinnig leckere Kebaps! Wir suchen aber einen ganz bestimmten, bei dem die Mädels gestern Abend einen Hühnchen Kebap in einem Naan Brot gegessen haben! Uuund gefunden! Weiter die Montée de la Grande Côté, den Berg hinauf gibt es einen wunderschönen Ausblick über die ganze Stadt, hier könnte es ziemlich romantisch sein, wenn…. Gedanken abschütteln und rein ins Paradies der bunten Lichter, lauten Geräusche und Glücksspiele, es ist anscheinend gerade Kirmeszeit auf dem Plateau des Croix Rousse. 20141108_195747 KopieBei der ganzen Zuckerwatte, den unmengen von Süßigkeiten und Eis haben wir doch wieder etwas Hunger bekommen, wir gehen ins Crock n‘ Roll einem tollen kleinen Alternativen Resto, in dem es nur Croque Monsieur in allen möglichen Variationen gibt. Wir haben uns einen Croque mit Nutella gegönnt, der Tee ist übrigens auch ausgezeichnet! Nach unserem kleinen Schockoladenexzess treffen wir uns noch mit Verena und ihrer sie besuchenden Freundinn in meiner liebsten Weinbar. Da es langsam auf Weihnachten zugeht, gibt es Vin chaud, merkwürdigerweise in Oktoberfest Humpen (nur 0,3 l^^) serviert.


Sonntag

Was kann man großartiges an einem verregneten Tag in Lyon machen? Mit dem Schirm durch die Straßen ziehen wäre eine Möglichkeit, aber doch nicht die beste… Zu unserem Glück ist in der Cité International gerade eine ganz besondere Messe… 40 Jahre Salon de Chocolat! Unser Tag besteht also aus einer einzigen Schokoladenorgie! Überall darf man probieren, die fragilen Schokoladenkunstwerke bestaunen und das ein oder andere Stückchen kaufen. Da Worte die Pracht nicht beschreiben können, sollen euch diese Fotos etwas auf die Sprünge helfen! Ich hoffe ihr habt beim Lesen ein Stück Schokolade griffbereit^^ Ohne Titel-1

Jetzt war das Wochenende leider schon wieder vorbei und ich habe Chiny nach einem letzten Rundgang über den Place Bellecour und einer verboten leckeren Heißen weißen Schokolade im Tearoom Buttercup zum Bahnhof Perrache gebracht, wo ihre Fahrgemeinschaft auf sie wartete… Bis bald Chinymaus, dann wieder in Augsburg im

gewohnten Umfeld^^20141110_115113

Paris

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Und täglich grüßt das Murmeltier, mein sechstes Mal in Paris, vollkommen ohne den Stress alles zu sehen, in der Stadt rumlaufen, wunderbar! Mit Fabrice, meiner Fahrgemeinschaft stauen wir durch die périphérique bis zur Porte d’Orléans, von dort fahre ich erst einmal mit der Metro zu Les Halles gefahren und mich in den Starbucks gesetzt um ein Hostel zu finden. Eigentlich plane ich ja immer im Voraus alles genau, drucke mir Wegbeschreibungen aus und alles was nötig ist… Diesmal wollte ich spontan sein, so ein Mist, das fühlt sich echt nicht gut an, noch bin ich obdachlos! Ich finde dann schließlich doch eine Jugendherberge direkt am Louvre, den Luxus wollte ich mir mal für eine Nacht gönnen! Auf meinem Weg nicht aufgepasst, zack über einen Pfosten gefallen und schön die Jeans aufgerissen…. Na das fängt ja gut an! Der Blick auf die Notre Dame den ich dann aber genießen kann entschädigt eindeutig dafür!

 


 

Montag

Am nächsten Tag ziehe ich los, absolut ohne Plan, einfach da hin wo es schön aussieht, vorbei an der Comédie Francaise, zur Oper und von da in die Galeries Lafayette. Obwohl ich mir hier wohl kaum etwas kaufen will. Aber das schon wieder für Weihnachten geschmückt ist gehe ich rein und kann dann gleich noch den Ausblick vom Dach des Kaufhauses genießen, man ist das windig heute!Falls sich einer wundert wie ich diese Fotos hinbekommen habe, welches übrigens ohne fremde Hilfe entstanden ist, die Antwort ist mein Selfiestick

20141103_105429Auch wenn man bei der Verwendung von allen Seiten belächelt wird so lässt sich die Nützlichkeit dieser Erfindung nicht abstreiten! Wer öfter alleine auf Reisen ist, der kennt das Problem und auch wenn man zu zweit unterwegs ist, fehlt immer einer im Foto. Ich liebe dieses Teil wirklich! Ich gebe zu es schaut dämlich aus aber was soll s, die Menschen siehst du vermutlich nie wieder, dafür hast du schöne Fotos von deinen Reisen! Draußen windet es jetzt nicht nur noch, es stürmt und fängt an zu regnen, mein 5 Euro Regenschirm zerfetzt es gleich bei der ersten Böe, da er jetzt nicht noch weiter kaputt gehen kann, kann ich ihn aber guten Gewissens weiter verwenden. Trotzig suche ich mir weiter meinen Weg durch die Stadt, die auch bei diesem Wetter noch charmant ist. Naja zumindest für uns die nicht in ihr leben. Die meisten Franzosen hassen Paris, naja verständlich, die Stadt gehört ja auch nicht mehr Ihnen, sondern den Massen an Touristen die zu jeder Jahreszeit durch die Straßen drängen. Da ich heute auch wieder eine Unterkunft brauche, es aber etwas günstiger sein darf, suche ich  das Friends Hostel beim Monmartre.

20141103_101325 Ich laufe die Straßen auf und ab, finde aber die verfluchte 122 einfach nicht, die Straße will mich doch verarschen, plötzlich springt die Beschilderung von 101 auf 42! What the fuck… völlig entmutigt und nachdem ich sicher 5 mal an den selben Geschäften vorbei gelaufen bin, die Männer auf der Straße davor mich schon kennen stehe ich endlich davor. Neben einem Telefonladen der offensichtlich zum Hostel gehört, ist eine kleine Tür die den Eingang darstellt. Mit einem Dach über dem Kopf lebt es sich doch besser! Eigentlich wollte ich mal wieder eine richtige Tajine essen, hier gäbe es auch genügend Restaurants, in denen sitzen aber immer nur Männer, das ist mir dann doch etwas unangenehm, ich lande also im Endeffekt bei einem Chinesen. Am Abend gehe ich ins Theater in die Grande Comédie um ein wenigstens ein bisschen Kultur mitzubekommen. Das Stück heißt „Le clan de divorcée“ – Der Clan der Geschiedenen, 3 frisch geschiedene Frauen ziehen zusammen in eine WG in Paris. Sie könnten verschiedener nicht sein, eine Bourgoise schicke Pariserin, eine Hot Pants tragende, mit starkem Akzent sprechende Engländerin und eine Landpomeranze aus Clermot Ferrand. Nachdem sie sich etwas kennengelernt haben beschließen sie Kontaktanzeigen in der Zeitung aufzugeben. Wunderbar gespielt von allen dreien, teilweise ist die Französin mit ihrem englischen Akzent aber schwer zu verstehen, die Lanpomeranze (die von einem stark untersetzten Mann gespielt wird) war aber mit Abstand die Beste! Wer noch einmal nach Paris kommt in der nächsten Zeit, unbedingt anschauen, es lohnt sich, eine Karte kostet 11 Euro. 

 


 

 Dienstag

Bei meinem Frühstück am Dienstag Vormittag habe ich  Mal am eigenen Leib die berühmt berüchtigte Unhöflichkeit der französischen Kellner miterlebt. Ich habe mir ein Petit déjeuner für 9,50 gegönnt. 20141104_102936 KopieNach kurzem Warten kommt es auch schon zu mir, frisch gepresster Orangensaft, ein wunderschöner Cappucino, eine Tartine mit Erdbeermarmelade und… ein verbranntes Croissant. Sofort hängen meine Mundwinkel, das kann doch nicht wahr sein! ich probiere es, es schmeckt nach Stroh, absolut unessbar! Als ich den Kellner gebeten habe mir ein neues zu bringen sagt er mir da ich es schon angegessen habe, ginge das nicht! Es ist aber verbrannt und absolut schrecklich! Er besteht darauf das es mein Fehler sei, er würde nachfragen ob man es tauschen könnte, aber er war nicht wirklich gewillt. Kurz darauf kommt er mit eingezogenem Schwanz wieder zu meinem Tisch, entschuldigt sich überschwänglich und meint ich hatte Recht. Ja natürlich hatte ich Recht! So was aber auch, zum Glück spreche ich gut genug französisch um dem Kellner Konter zu geben! Kein wunder das alle Touristen sich immer beschweren! Zu mir war er danach überaus freundlich, hat wohl eine Klatsche in der Küche bekommen! Sowas….Nach dem ich noch ein wenig durch das Quartier latin bis zum Jardin du Luxembourg gelaufen, fahre ich mit dem TGV wieder nach Hause, nach Lyon.

20141104_112610In nur anderthalb Stunden geht es quer durch Frankreich, an überfluteten Wiesen vorbei, es hat ziemlich geschüttet die letzten Tage, bis wir im Bahnhof Part Dieu einlaufen. Ahhh wieder daheim, hier kenne ich mich wieder perfekt aus! langsam wird mir klar das Lyon durchaus mit Paris konkurrieren kann, ja teilweise ist es sogar besser! Es ist kleiner, aber immer noch eine Großstadt. Im Vergleich ist Paris wohl Berlin und Lyon ist München. Welches von beiden besser ist,bleibt jedem selbst überlassen. Ich bevorzuge inzwischen sogar Lyon,eine wirklich wunderschöne Stadt, die mit ihren zwei Flüssen und unzähligen Brücken, das Paris des Südens darstellt!

Poitiers, Cognac und La Rochelle mit meiner liebsten Chiny

10356029_10205000913891423_3953947715678026288_nNach einer Woche Klausuren und Referat konnte ich jetzt erstmal eine Woche Ferien genießen. Dienstagabend nach meiner Personalmanagementklausur veranstalten wir in unserer Residence Le Tempo noch ein kleines Shot Roulette. Was kann ich sagen ein fröhlicher Abend, da ich aber in der früh meine Fahrgemeinschaft nach Limoges bekommen muss, dauert er für mich nicht all zuuuu lang^^ 20141029_144457Mittwoch um 9 Uhr fahre ich also mit Frank nach Limoges, einer Etappe auf meiner kleinen Reise nach Poitiers. Nach einem kurzen Rundgang durch die Altstadt, einem Kebab und einem Kirchenbesuch geht s mit dem Zug nach Poitiers wo mich Chiny schon sehnsüchtig erwartet. Der Abend ist dementsprechend gefüllt mit langen und interessanten Gesprächen^^


Donnerstag

20141101_093620Am Morgen führt sie mich durch die Altstadt von Poitiers,mit einem Crêpe sucré gestärkt, schauen wir uns die eindrucksvolle Kathedrale und die wunderschöne Notre Dame la Grande an.Diese ehrwürdige Kirche, die 1150 errichtet wurde ist innen über und über bemalt, klingt komisch, sieht aber fabelhaft aus. Mir fehlen die Worte und aus unerfindlichen Gründen kommen mir die Tränen, zu der ungewöhnlichen Bemalung kommt die Tatsache das die Kirche sehr dunkel ist, vermutlich macht sie deswegen so einen Eindruck auf mich…Wieder in der Jetztzeit angekommen, heißt aus dem Kirchenportal getreten, machen wir einen kleinen Rundgang durch die Stadt bis zum Parc Blossac. 7172205850_79be96daf5Dort sehen wir unseren ersten schwarzen Schwan und ruhen uns etwas aus. Auf dem Programm für den Nachmittag standen dann noch eine heiße Schoki in einem sehr kreativ eingerichteten Café trinken und im Anschluss das anscheinend obligatorische Feierabendbier Faro. Komisch als Kombi aber was muss das muss! Nebenbei bemerkt, war es ein ziemlich leckeres belgisches Bier welches sogar mir geschmeckt hat.

 

 

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Freitag

DSCN0145 KopieDa wir Studenten bekanntlich nicht viel Geld zur Verfügung haben, dafür aber umso mehr Zeit, sind wir um 4:30 aufgestanden um den günstigsten Zug des Tages um 6:12 nach Cognac zu bekommen. Dementsprechend waren sowohl der Bahnhof von Poitiers als auch Cognac bei unserer Ankunft völlig ausgestorben.So haben wir uns zu den Einheimischen zu einem Petit déj im Café eingefunden und gewartet bis die Kleinstadt erwacht. DSCN0168Wir sind ein bisschen durch die Altstadt geschlendert, haben uns die verführerischen Auslagen in der Markthalle angeschaut und sind langsam zu einer „Maison du Cognac“ gegangen, bei der wir um 11 eine  Führung gebucht hatten. Wir erfahren etwas über die Geschichte von Martell, dem ältesten Produzenten des erlesenen Gebräus. Das 1715 von Jean Martell gegründete Unternehmen verwendet für die Cognac Herstellung weiße Weintrauben aus der Region. Diese werden in langen Destillationsverfahren und der anschließenden Reifung in Eichenfässern zu den edlen Tropfen, deren Alter von 4 bis 60+ Jahre und 10- 400 Euro pro Flasche reicht. Bei der Verkostung merken wir, die von Cognac keine Ahnung haben, das er es in sich hat! Wir werden wohl dadurch nicht zu Liebhabern mutieren, interessant war die Führung trotzdem. Wir laufen noch etwas weiter durch die Stadt, schauen uns das Rathaus an, welches seltsamerweise in einem Park liegt und promenieren uns am Ufer der Charente . Da wir langsam Hunger bekommen versuchen wir etwas zu Essen zu bekommen, es ist 14:30m, dass unsere Mission zum Scheitern verdammt ist, wird uns klar nach dem uns 4 Restaurants abgewiesen haben, da die Mittagszeit vorbei ist. Hierfür muss man wissen, das die meisten Franzosen im Zeitraum von 12 bis 14 Uhr Mittagspause haben und dementsprechend zu festen Zeiten in Restaurants gegessen werden kann. Der gemeine Tourist der sich nicht an diese Zeiten hält muss deshalb auf die wenigen Brasserien zurückgreifen die durchgehend Service haben.


Samstag

Wieder wachen wir an einem schön sonnigen Tag auf und gehen zum Markt in Poitiers, der heute aufgrund des Feiertages leider etwas kleiner ausfällt. Zum Frühstück genehmigen wir uns mahmoul( irakische Grießplätzchen) und Fataya und warten auf unseren Zug nach La Rochelle. Auf der Fahrt merken wir langsam den Übergang vom strahlenden Sonnenschein zu einem bewölkteren Himmel, also doch kein schöner Strandtag, Chiny, die einen langen Rock und Ballerinas angezogen hat, zweifelt schon an ihrer Entscheidung. 20141101_161607Am Bahnhof angekommen haben wir die erste freundliche Begegnung mit einem einheimischen, einer kleinen schwarzen Katze, die auf mein Rufen sofort angehezt kommt. Sie lässt sich streicheln und rollt sich genießerisch am Boden als gäbe es kein Morgen mehr. Alle drei sind wir etwas traurig das wir weiter gehen müssen, aber die Leute um uns herum gucken schon so komisch…Weiter an der Uferpromenade  entlangspaziert entdecken wir einen kleinen Flohmarkt auf dem wir ein bisschen stöbern. Anscheinend sind die Aussteller immer in dieser Konstellation zusammen denn sie haben sich lebhaft unterhalten. Heute über das Verhältnis einer Barfrau mit einem von Ihnen, was für einiges an Furore gesorgt hat. Nachdem wir ein bisschen durch die Stadt geschlendert sind, die Kirche besichtigt , die Auslagen der Patisserie bestaunt und an einem gruseligen Haus mit der Nummer 13 vorbeigekommen20141101_154107 sind folgen wir den Touristenmassen zum Strand. Langsam muss ich auf Toilette, allerdings sind alle drei öffentlichen Toiletten aus unerfindlichen Gründen schon abgesperrt! Die Stände die einem Eis, Wasser und anderes Essen verkaufen sind allerdings noch da… Auch ziemlich fies! Nach langem Zögern lässt mich dann ein Kellner im danebenliegenden Restaurant auf Toilette gehen, ja was soll ich denn machen! Danach kann ich dann auch wieder ein Eis essen, auch wenn ich mich bei der Bestellung etwas komisch fühle das Wort „Kinder“ französisch auszusprechen. (Kinderschoki)  Zum Abendessen holen wir uns einen Kebab in einem kleinen marokkanischen Restaurant. Chiny bestellt sich Brochette de Poulet und ich Poulet au Safran, auch für französischlaien ist hier wohl deutlich zu erkennen das es sich um zwei unterschiedliche Dinge handelt! Er tut uns beiden aber genau das selbe Fleisch drauf…sehr gerissen der Kerl, so erzeigt man die Fantasie eine Auswahl zu haben!  Nun ist es Samstagabend und die Zeit bei meiner Chinymaus ist schon wieder vorbei, am Sonntag geht s dann weiter nach Paris.

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Lernen, DIY Messe, Beaujolais und ein paar Châteaux

Samedi – Gedanken zur Uni…

Das Unisystem in Frankreich ist viel verschulter als in Deutschland. Das heißt im Klartext, in den Übungen herrscht strikte Anwesenheitspflicht (2 mal darf man fehlen, dann wird man rausgeworfen^^), die Dozenten diktieren ihre Vorlesungen und es gibt einen Haufen Zwischenprüfungen. Nächste Woche habe ich eine Prüfung in Initiation à la culture francaise, 2 in arabisch (wobei ich in einer sicherlich unterpunkte!) und mein französisch Referat. Davor habe ich ja mit Abstand am meisten Angst! Nicht nur das es auf französisch ist, sondern alleine schon das ich vor der Klasse präsentieren muss! Jeder der mich kennt weiß wie ich zu diesem Thema stehe, ich habe also wieder einmal Angst vor dem absoluten Blackout und dem gestammel was darauf folgt… Auch wenn das Thema das ich mir augesucht habe für alle interessant sein wird. In Frankreich gibt es traditionell etwas was sich „Bizutage“ nennt (nein das wird nicht Tag ausgesprochen^^), universitäre Einführungsveranstaltungen, die immer wieder ausarten und eigentlich seid 1998 verboten sind. Im Prinzip bestehen sie aber weiterhin, der Alkoholkonsum und die öffentliche Bloßstellung geht hier anscheinend noch mal weiter als bei uns, es sind sogar schon Menschen an diesen Tagen umgekommen! Weshalb ich dieses Thema gewählt habe? ganz einfach, ich habe vor einer Woche in der Augsburger Allgemeinen online einen Artikel zur Einführungsveranstaltung der Wiwis in Augsburg gelesen. Auf dem Titelbild war eine halbentkleidete Gruppe Wiwi-Erstis mit grünen Op Hauben zu sehen. Sie befanden sich auf einer von der Fakultät organisierten Stadt Rallye. Das es bei solchen Veranstaltungen etwas feuchtfröhlicher zugeht ist doch komplett normal! Die Zeitung hat diese Geschichte nun dermaßen aufgebauscht und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit daraufgelenkt, das die Unileitung darüber nachdenkt die O-Phase in der Art nicht mehr stattfinden zu lassen. Das finde ich sehr schade für die zukünftigen Erstsemester! Wenn ich an meine O-Phase zurückdenke habe ich nur gute Errinerungen und Freunde gewonnen! Leider gibt es an unserer Uni seid einem Jahr jemanden der jedwede Studentische Initiative unmöglich macht, der steckt natürlich auch wieder dahinter! Sehr Schade!

Aber wo war ich?…. Da habe ich mich wohl etwas in eine andere Geschichte verstrickt und den Faden verloren… ach ja, also die Hälfte des Tages habe ich lernend an meinem Schreibtisch verbracht, dann war ich ein paar Stunde auf dem „Salon du faire sois même“ – einer DIY Messe.


Dimanche – Das kleine Dorf Theizé, Château de Rapetour und der Beaujolais20141019_083802

Durch das morgendliche, gerade erwachete Lyon fahre ich mit der Tram zum Place Bellecour, wo der Bus von „Lyon International“ auf mich wartet. Es sind nur wenige Menschen auf der Straße, da heute Sonntag ist, haben sich nur ein paar Touristen auf den großennoch schattigen Paradeplatz in Lyon gewagt. Da der Verein Lyon International der sich zum Großteil aus pensionierten Akademikern zusammensetzt diese Fahrt nach Theizé, in die Weinberge des Beaujolais organisiert hat ist diese sehr durchorganisiert, im Bus bekommen wir erst einmal das Programm, in welchem der Tag minutiös eingeteilt wurde. Zuerst bekommen wir eine Privatführung durch das Château de Rapetour welches sich unterhalb des kleinen Dorfes Theizé befindet. Das Château ist eigentlich, so erklärt es unser Führerer eine Maison Fort (befestigtes Haus) welche Anfang des 13. Jahrundert von einem Ritter, Guillaume Viego, erbaut wurde. Das Untergeschoss, das ehemalig ein spärlich eingerichteter Gesinde Raum war, jetzt allerdings im Stil Louis XIV eingerichtet ist, empfängt uns mit einem wunderbar rauchigen Aroma. Unser Guide hat extra für uns ein Feuer im Kamin angezündet, – nicht das wir dieses bei den Temperaturen benötigt hätten, aber zur At20141019_114856hmosphäre hat es sehr beigetragen! Da ich den Namen unseres Guides vergessen habe, nenne ich ihn einfach mal Pierre, um die ganze Sache nicht so unpersönlich klingen zu lassen. Pierre ist ein patriotischer Franzose der Stolz auf sein Heimatland ist, 20141019_103747vielmehr noch auf Lyon seine Heimatstadt, die er in höchsten Tönen anpreist. Im Laufe der Führung durch ,wie man meinen könnte, sein Schloss erzählt er uns viele über die Geschichte des Gebäudes, aber auch über die Eigenheiten der Menschen vergangener Zeit. So erzählt er uns, von den Anfängen der  Schaffensfreude der Menschen für immer ausgefeiltere Möbelstücke, die alle jeweils einem Zweck dienen. Ob Eisschränke, Teetische, Esstische, Gebäcktische, Weinanrichten, Dametische oder extra Tische zum Pokerspielen (welches natürlich in Frankreich erfunden wurde) auf denen eine extra Lampe für perfekte lichtverhältnisse sorgt,  alles zeigt er uns mit Stolzgeschwellter Brust! Vor allem deswegen hat mir die Führung sehr gut gefallen, hier wa ein Mann, der nicht nur seinen Job macht sondern seine Rolle lebt! Er ist der Schlossherr!

Nachdem Pierre uns alle jeweils persönlich verabschiedet hat, steigen wir den Hügel hinauf um zum Dorf Theizé und zu unserer Weinverkostung zu gelangen.  Obwohl diese etwas enttäuschend war, vielleicht waren unsere Erwartungen auch einfach zu hoch, war der Wein selbst doch sehr lecker, wenn auch etwas stark für 12 uhr mittags! Da wir langsam Hunger bekommen, fangen wir an etwas zu essen. Eine der Veranstalterinnen weißt uns aber darauf hin, das wir jetzt noch nicht essen sollen, da das Picknick erst später sei! Genau das meinte ich mit zu sehr organisiert^^ Also Essen wieder eingepackt.


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20141019_153106Nach der Verkostung und dem abgebrochenen Essen, wandern wir zu unserem eigentlichen Picknick Punkt. Der Weg auf den Hügel ist doch ziemlich steil und mehrmals kommt mir der Gedanke, das ich doch lieber Turnschuhe angezogen hätte, hoffentlich geht das gut mit meinem Fuß… Endlich oben angekommen, etwas verschwitzt, verdammt das ist dich ganz schön warm heute, dürfen wir endlich etwas essen. Zugegeben, der Ausblick ist wunderschön von hier oben. Nachdem die Organisation noch etwas Werbung für sich und ihre Sponsoren gemacht hat geht es wieder runter, in das Dorf Theizé um das zweite Schloss, das Château de Rochebonne zu besichtigen. 20141019_153857 Kopie

Da dieses aber nicht sonderlich eindruckvoll war, etwas zu modern restauriert und wir allgemein Müde waren, gibt es davon keine Fotos und auch keine Geschichtsinfos, sorry…

Den Abend habe ich dann noch mit Lernen für meine Klausur in „Initiation à la culture francaise“ verbracht.

La cuisine Lyonnaise, Simone de Beauvoir et le marché aux Puces

Nach einer anstrengenden Woche mit mich teils zur Verzweiflung treibenden Arabischkursen (و الله=bei Allah)und einem absolut verregneten Freitag (ohne Regenschirm) gings zum Glück ab in Wochenende! Freitagabend sind ich und ein paar andere Erasmusstudenten aus meinem Wohnheim deshalb erstmal essen gegangen. Bei uns um die Ecke ist ein Restaurant es heißt “ La Rouge Tendance- Cuisine du Monde“ jedes mal wenn ich daran vorbeigeagangen war die ganze Kreuzung von einem himmlichschen Duft erfüllt! Es ist ein Wok Restaurant, in dem direkt vor dir mit spektakulären Flammen und viel Dampf,  in Minutenschnelle dein Gericht zubereitet wird. Da ich dieses Wochenende wieder nicht verreise, habe ich in der früh Zeit etwas über den Marché beim Platz Jean-Macé zu laufen. Der Markt ist voll von Lyonnaise die ihre Wochenendeinkäufe erledigen, besonders vor de Charcutiers (Fleischern) et Poissoniers (Fischverkäufern) haben sich lange Schlangen gebild20141012_160351 Kopieet! Ich kaufe mir aber nur ein paar grüne Äpfel, die allerdings günstiger sind als im Supermarkt, also werde ich das nächste mal vermutlich mehr einkaufen. Da heute sooo schönes Wetter ist, im Vergleich zu Gestern laufe ich noch ein bisschen am Quai entlang und kaufe mir bei den Bouquinistes (Bücherverkäufer) Tous les hommes sont mortels (Alle Menschen sind sterblich von Simone de Beauvoir und komplett kontrastär ein Kinderbuch, Romarin le lapin (Der Hase Rosmarin). Am Abend treffe ich mich mit meinem Onkel und meiner Tante, die eine Woche an der Côte d’Azur verbracht haben am Place Bellecour. Wir promenieren uns durch das aufgrund einer Tunnelsperrung von IMG-20141012-WA0002 KopieAutos verstopften Lyon. Im Viertel Vieux Lyon, der Altstadt trinken wir erstmal einen Aperitif und erkunden danach ein paar Traboules. Die Traboules, Passagen oder Treppenhauskonstruktionen die durch die alten Gebäude Lyons führen, wurden vermutlich zur Zeit der Rennaissance angelegt und ermöglichen es sich schnell von einer Seite zur anderen zu bewegen- ohne große Umwege zu gehen. Da die Eingänge zu den Traboules ganz normale Hauseingänge sind, sind sie nicht als öffentlich zugänglich erkennbar, man muss sie also alle kennen um sie benutzen zu können. Nach unserer ersten Durchquerung hatten wir Blut geleckt und wollten es an fast jeder Tür ausprobieren. Wie viele Touristen sich so wohl schon in die Wohnungen vieux-lyon-traboule-img1von Lyoner Bürgern verrirt haben? Von diesen Traboules gibt es sowohl in Vieux Lyon als auch im Viertel Croix-Rousse einige, ich hoffe in den nächsten Monaten alle zu kennen! Um meinen Verwandten die Lyoner Küche näher zu bringen – ob sie es tatsächlich wollen oder nicht, geIMG-20141012-WA0001 Kopiehen wir in einen Bouchon und nehmen jeder das menu lyonnais . Da ich heute sehr experimentierfreudig bin, probiere ich gleich mal Gateau a la foi de vollaile (Hühnerleberpastete) undals Hauptgericht die Boudin noir aux pommes et Gratin Dauphinoise (Blutwürste mit Äpfeln und Kartoffelgratin). Beides ziemlich lecker, nach dem etwas Zweifelhaften Vergnügen der Andouillete (Eingeweidewurst) vor ein paar Wochen hat sich die Lyoner Küche so wieder rehabilitiert! Meine Tante, ebenso offen für neues, hat sich die Quenelles au brochet (Hechtklößchen) bestellt, ebenfalls deutlich besser als es sich anhört! Mein Onkel ist besonders begeistert von meinem Dessert, Mousse au Marron, es ist lecker, aber meine ist besser! Gut gefüllt führe ich sie noch über die Brücke zurück auf die Presqu’ile und in das eher studentische Viertel Croix Rousse.


Les Puces du canalHeute, das ist der Sonntag war ich in der früh mit meiner Marraine (=Patin, in meinem Fall, mein Buddy) Camille zu den Les puces du canal, dem Flohmarkt in Villeurbanne. Da sie genauso wie ich eine Vorliebe für Vintage hat (auch wenn das bei ihr eher die siebziger Jahre sind und bei mir Louix IVX) und ihre Wohnung immer wieder mit neuen Fundstücken bereichert, verstehen wir uns super. Camille ist vom Aussehen her wie ich finde eine typische Französin, dunkle kurze Haare, schmal, klein (naja immerhin so groß wie ich) modebewusst, etwas wie Audrey Tatou, sie ist super nett, da sie auch etwas deutsch lernt ist das also perfekt! Ihr Freund ist Marokkaner, sie teilt also meine Passion für orientalischen Stil und die Küche! Seulement Parfait! Nach unserem erfolgreichen Einkauf überredet sie mich noch dazu ein Sandwich au abats (Innereien) zu essen. Ich frage lieber nicht nach, welche und von welchem Tier! Aber obwohl es ein sehr starken Geschmack hat, in Kombination mit dem Baguette schmeckt es sehr lecker! Kulinarisch war ich dieses Wochenende also sehr experimentierfreudig und vor allem fleischlastig unterwegs! Nächste Woche also eher Vegetarisch^^

Da es heute wieder ein verregneter Tag ist und wir schon auf dem Flohmarkt immer wieder den Regenschirm gezückt haben, bleibe ich wohl jetzt mit meiner frisch erstandenen Tasse, in dem sich eine ganz tolle Schwarztee Mischung befindet in meinem Bett und lese Simone de Beauvoir! 20141012_160008 Kopie

La côte d’Azur, Meeresluft schnuppern in Marseille und Cassis

Vendredi  –   Marseille

10626623_10154651671345557_6886314912158677905_nDirekt nach dem Französischkurs, Freitagfrüh um 10:36 gings mit dem TGV nach Marseille St. Charles.

20140926_132315 KopieAuf der Fahrt haben wir mit der Hilfe einer netten älteren Dame unsere Hausaufgaben gemacht. Dabei mussten wir die Bedeutungen von solchen Sätzen wie “ Il a cassé son pipe“ (Er hat seine Pfeife zerbrochen=abkratzen) und „Fais gaffe“ (Pass auf!) herausfinden, was doch sehr zu ihrer Erheiterung beigetragen hat. Nachdem wir in Marseille angekommen, den Boulevard de Notre Dame, die Straße in der unser Appartement war gefunden haben, konnten wir freudig feststellen, das wir in Nummer 116 wohnen….. 100 Hausnummern den Berg rauf, später hat uns unser Vermieter Brice (von ihm „Bries“ ausgesprochen) den Schlüssel für unser cooles Appartement mit Blick auf die Notre Dame de la Garde überreicht. Obwohl ich mich wegen einer Bänderzerrung im rechten Fuß vermutlich schonen sollte, wandern wir zur Schifferskathedrale hoch. Viele viele Stufen…. Der Aufstieg lohnt sich wirklich, bei schönem Wetter wie heute, hat man einen wunderschönen Rundumblick auf Marseille und die Küste. Die Basilika, eine Marienwallfahrtskirche die im neuromanisch-byzantinischen Stil gebaut wurde und somit überaus prächtig geschmückt ist, wird von den Marsellais nur „La Bonne Mère“ genannt. Hier oben treffen wir zwei Argentinier Ignazio und Guido ( beide mit italienischen Ursprüngen) die ihr Auslandssemester in Toulouse machen. Auf dem Weg zum Vieux Port den Hügel hinunter trennen sich unsere Wege wieder. Da unser Magen mächtig knurrt suchen wir verzweifelt einen Kebab, der es mir und Verena mit der Sauce Algérienne angetan hat. Wir werden fündig im Araberviertel, plötzlich scheint es fast so als ob wir gar nicht mehr in Marseille sind…. Es ist doch immer wieder erstaunlich wie eine Gesellschaft innerhalb einer anderen ihre eigene Lebensweise durchsetzt, hier sind die Blicke, falls man das sagen kann auch noch etwas intensiver… Naja gesättigt, glücklich und absolut fleckenfrei promenieren wir uns am Hafen, vorbei an kleinen Marktständen.

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20140926_165748Natürlich haben wir es nicht geschafft ohne neue Errungenschaften bis zum Ende zu kommen… Ein sagenhaft köstliches Eis (nun wirklich gesättigt!) später und nach vielen verdienten Hupern ruhen wir uns eine Weile am Fort St. Jean aus. Wirklich nicht sonderlich einfallsreich diese Franzosen, alles ist entweder nach einem Jean benannt oder man läuft auf einem Boulevard de la République…. Hier am Fort genießen wir auch den Sonnen-untergang….endlich mal wieder einer am Meer! Wunderschön. Da wir aber nach unserem üppigen Mittagessen noch nicht wirklich hungrig sind, ist uns die Boullabaise für 23 Euro doch zu teuer. Nach vielem hin und herlaufen entscheiden wir uns für einen Crêpe au Chocolat, immer eine gute Wahl. Obwohl wir auf Französisch bestellen, antwortet der Crêpe-Mann uns auf Englisch… Sollten wir jetzt beleidigt sein, nein wir reden einfach weiter mit ihm französisch. Aber ungestört Crêpe essen ist hier nicht, ein paar, von den immer vor Kebabs abhängenden jungen Arabern, will natürlich ein Foto mit uns (NATÜRLICH!! ) Direkt nach dem Foto P1030509arennen sie weg… sehr seltsam, egal! Aufmerksamkeit wieder auf den Crêpe gerichtet. Um unseren tollen Tag in der Küstenstadt zu begießen entscheiden wir uns selbstverständlich für das GETRÄNK! Pastis! Wir finden eine kleine Bar, le Marengo deren angenehme Atmosphäre, günstige Preise und nette Kellner uns gleich überzeugen.  Bei unserer Bestellung lernen wir auch gleich noch die anständigen Namen für die verschiedenen Variationen. Ich bestelle also un perroquet (Papagei = mit Minzsirup) und die andren 20140926_210620beiden jeder une tomate (mit Grenadinesirup). Kurz bevor wir gehen wollten kommen noch die zwei Argentinier vorbei und trinken noch un mauresque (mit Mandelsirup). Absolut müde, etwas pompette und komplett fußlahm nur noch den Berg hoch und ab ins Bett denn morgen geht’s früh raus!


Samedi   –  Cassis 

Nach einem kleinen petit-déj mit Croissants und Café in unserer tollen Wohnung nehmen wir die Regionalzug nach Cassis wo wir nach nur 20 min und einer langen Tunneldurchfahrt ankommen. Allerdings liegt der Bahnhof 4 km außerhalb des kleinen Ortes Cassis, der Bus kommt erst in 20 min, ich bin zu ungeduldig, deswegen laufen wir die Strecke bergab, vorbei an Weinbergen und provenzalischen Häusern immer mit den Zikaden als musikalische Untermalung. Nach der langen Strecke fühlt sich mein Fuß natürlich nicht ganz so gut. Wir holen uns ein Panini à emporter (zum mitnehmen), ich will mich während wir warten nur kurz auf einen Stuhl setzen, werde aber sofort unfreundlich von der Besitzerin verscheucht. Unverschämtheit, es waren fast alle Tische frei, wir warten auf unser Sandwich, haben sogar schon bezahlt, es wäre überhaupt kein Problem gewesen. Auf meinen Protest weißt mich die unhöfliche französische Bedienung auf den Ufersteg hin, da dürfte ich warten, so eine Putain!10723309_914301958599077_1908302873_n

Nach dieser Zurschaustellung französischer Politesse, suchen wir unseren Weg zu den Calanques, den wunderschönen Buchten für die Cassis berüht ist. Die erste Bucht ist schon überladen mit Touristen und Anwohern, wir ziehen also weiter den Berg hoch. Es geht immer weiter berauf, bergab, bergauf…. nach gefühlten 20 km (vermutlich 4) haben wir es endlich geschafft zu den Calanques de Port Miou. Hier ist die Bucht fast noch voller, der lange beschwerliche Weg (den wir ohne Wanderoutfit zurückgelegt haben) hat offenbar keinen davon abgehalten hierher zukommen. Jedes noch so kleine Fleckchen ist mit Sonnenhungrigen Menschen besetzt, zu guter letzt finden wir etwas an den Klippen, drei kleine Schiefe Plätze, zum sonnen genügt es aber. Da es aber sowieso viel zu heiß ist nach unserer unfreiwilligen Wanderung springen Verena und ich erstmal ins kühle Nass! Herrlich! Endlich wieder schwimmen im Meer, sich einfach treiben lassen, zwei weitere Male haben wir uns ins Wasser fallen lassen, immer abwechselnd mit den Sonnenbädern haben wir so ein paar Stunden verbracht. P1030485Langsam steht die Sonne immer tiefer, es fällt uns aber so schwer wieder zurückzukehren, da das vermutlich unser letztes Bad im Meer war dieses Jahr. Wieder zurück in Cassis, der Rückweg ist immer viel schneller, sehen wir gerade noch die letzten Sonnenstrahlen, alles ist in dieses leuchtend orange Licht getaucht. Ich liebe diese Zeit des Tages, das Lichterspiel, die Farben sind so viel schöner, es schein das fast alles in diesem Licht gut aussieht. Merke! Mehr Selfies zu dieser Tageszeit machen! Eigentlich wollten wir hier noch eine Boullabaise essen, mussten aber den letzten Bus zum Bahnhof erwischen, den wir gerade noch so erreicht haben. Ausgehungert in Marseille zurück in Marseille, noch schnell etwas in Normalzustand versetzen und ab auf Restaurantsuche. Es ist zwar schon nach 10 Uhr abends als wir ein Restaurant ausgewählt haben, trotzdem gönnen wir uns ein Formule. Davor mussten wir aber erstmal 20 min auf unseren Tisch warten, der Kellner bringt uns deshalb als Kompensation alle paar minuten einen Kir… das kann ja was werden! Wir schließen unser Mahl mit einer Tarte au Citron, als die letzten Gäste, kurz vor Mitternacht ab. So spät habe ich auch noch nie in einem richtigen Restaurant gegessen. Danach gings noch auf einen kleinen Absacker in unsere Stammkneipe das Marengo.

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Dimanche  – Marseille

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Da unser Zug zurück nach Lyon erst um 14:44 geht haben wir noch etwas Zeit uns das Chateau d’If anzuschauen. Das berühmt berüchtigte Insel Gefängnis aus dem Alexandre Duma’s „Comte de Monte Christo“ ausbrechen konnte. Mit der Fähre gings dann zu der kleinen Trutzburg auf einer unwirtlichen Felseninsel vor der Küste Marseilles. Wie viele historische Bauten oder auch Museen in Frankreich ist der Eintritt für „EU Bürger unter 25“ kostenlos,nur die Fährfahrt auf die Insel müssen wir zahlen.  Neben der Zelle von Edmond Dantès und dem ‚Homme au masque de fer“ gibt es noch viele andere Zellen von Gefangenen die größtenteils auf grausame Weise nach ihrer Einkerkerung getötet wurden.

Auch wenn das Fort durchaus imponierend war, habe ich mir das Chateau d’If immer etwas cooler vorgestellt. Manche Orte sollte man lieber nicht besuchen, wenn man den Charme den  dieser für einen ausgestrahlt hat durch die Wirklichkeit doch deutlich abschächt. Dies ist mir schon des öfteren passiert, manchmal sind bestimmte Sehenswürdigkeiten in der eigenen Vorstellungen schöner und vielleicht mystischer. Vor allem aber sind sie in meine Vorstellung nicht mit Touristen überlaufen. (Mmh ich glaube daran bin dann wP1030538ohl auch ich schuld…) Wenn ich darüber nachdenke muss ich immer an meinen Vater denken, der durch Filme von Bernhard Grzimek von der Serengeti und dem afrikanischen Staat Tansania verzaubert wurde.
In Realität sind die wilden Tiere zwar wundervoll anzuschauen und es ist tatsächlich toll, aber eben nicht genauso wie es in seiner Vorstellung war. Das würde man wohl als romantische Verklärung bezeichnen… Vielleicht sollte er seine Faszination für Indien auch nur in Gedanken ausleben, aber ich schweife ab! Wo war ich? Ach ja Insel, Gefängnis, bin wieder da! Jetzt gehts mit der Fähre auch wieder runter von der Insel, raus aus dem Gefängnis! Auf dem Boot ist einem der Skipper anscheinend etwas langweilig und er 10723375_914304335265506_2018199515_nnimmt uns drei Mädels mit in die Kapitänskabine vorne. Total verrückt, da vorne war ich nun wirklich noch nie, die ganzen Amarturen von nahmen sehen ist doch ziemlich cool. Als der Kapitän mich dann auch noch fragt ob ich mal fahren will…. ähhm ja klar doch! Alos steh ich als Fahranfängerin am großen Steuerrad (das eigentlich nicht benötigt wird, das er zum fahren zusätzlich einen joystick hat…). Es sind einige Umdrehungen nötig bis ein Richtungswechsel merkbar ist, aber ich fahre das Schiff!!  Das ist wohl inzwischen auch den Passagieren aufgefallen die ich mit der Kreuzung einer hohen Welle etwas durchgeschaukelt habe… Die Wucht der Welle die das Schiff getroffen hat, hat auch mich kurz zusammengestaucht, zum Glück habe ich mich am Steuerrad festgehalten! Die Rückfahrt war eindeutig besser als die Hinfahrt!

Zum Abschied von Marseille kaufen wir uns noch das hier überall angebotene Gebäckstück, die Navettes de Marseille, ein in der Größe variirender Keks, wie ein kleines Schiffchen geformt und super lecker.

vorübergehende Verwirrtheit, Fußschmerzen und BREXIN

BrexinMeine Letzten Wochen zwischen Fußlahmheit, Schmerzmitteln und Brexin bedingter Verrwirtheit.Wegen meinen plötzlich aufgetretenen Fußschmerzen war ich bei einem Arzt, dieser hat mir ein Medikament gegen Entzündungen verschrieben, Brexin. Allein der Name war mir äußerst unsympathisch, genauso wie der Arzt, der meinen Fuß 3 Sekunden angeschaut hat, mir 23 Euro abgeknüpft hat und mich weggeschickt hat. Nachdem ich es in der Apotheke abgeholt habe und ich mich mit meiner Mutter beraten habe, habe ich widerwillig angefangen das Medikament zu nehmen. Eine Woche drauf, ein Dienstag, absolut nicht mein Tag! Zuerst gehe ich ins Fitnessstudio, bekomme aber fast keine Übung anständig hin, ich bin viel zu schnell außer Atem, das kommt mir alles schon ziemlich merkwürdig vor. Naja egal, dann fahre ich mit einem Velov nach Hause, gehe davor aber noch einmal in den Leader Price (Supermarkt, noch weiter unten als Lidl) Dann gehe ich nach Hause. Angekommen fällt mir erstmal auf das ich immer noch meine Turnschuhe anhabe und die Chucks in der Gaderobe im Fitness an der Uni vergessen habe…. Na toll, aber jetzt noch einmal los, da heb ich auch keine Lust.  Am nächsten Morgen versuche ich ein Rad zu nehmen um zur Uni zu fahren. Das System informiert mich das das nicht geht, da ich immer noch ein Rad ausleihe……. Ohhhh scheiße!!!!! Ich habe tatsächlich mein Rad vor dem Geschäft stehen gelassen, komplett vergessen das ich es habe…. Dieses Missgeschick bezahle ich erstmal mit 58 Euro, die Gebühr für 20 Stunden!!! Mist…. Das war aber nicht das Schlimmste, mein Fuß der mich bis zu diesem Zeitpunkt immer noch wiederstrebend getragen hat, mag jetzt nicht mehr…. Humpelnd, weinend wegen der Schmerzen, verwirrt vom Brexin und absolut fertig wegen meinem Missgeschick schleppe ich mich in mein Zimmer. Da das Krankenhaus aber nicht weit von mir entfernt ist und ich mich dafür entschieden habe, das ich doch fähig sein sollte zu laufen, fahre ich mit der T2 zur Station Grange Blanche und gehe ins Hôpital Edouard Herriot. Nachdem ich mich selbst eingeliefert habe, bekomme ich erstmal ein Band wie es neugeborene tragen, auf meine Aussage das ich hier aber nicht bleiben möchte lacht der Pfleger nur… Zum Glück kommt Verena von ihrem Kurs und leistet mir ein wenig Gesellschaft beim warten. Nach 1,5 Stunden bin ich nicht viel schlauer wieder aus dem Krankenhaus draußen. Vermutlich habe ich mir die Bänder gezerrt, gebrochen ist auf jedenfall nichts. Das einzige was ich weiß, dieses Brexin setzte ich ab! Die Tage die ich es genommen habe konnte ich auch garnicht mehr schlafen. Alles waren Nebenwirkungen die als sehr häufig auf der Packung genannt wurden. Kein Wunder, die Packung sieht schon so gefährlich aus. Beim Schreiben dieses Eintrags bin ich so froh das ich dieses Zeug nicht mehr nehme. Ich finde es höchst beunruhigend das Medikamente einen so beeinflussen können, ich war ja für diese Zeit wirklich nicht ganz ich selbst. Auf Dauer wäre ich vermutlich depressiv geworden, verwirrt, unter Schlafentzug leidend… Diesem Arzt der mir das Teufelszeug verschrieben hat würde ich auch gerne mal die Meinung geigen! Absolut unverantwortlich, er wusste ja überhaupt nichts über meine Krankengeschichte, nichts hat er gefragt, ich hätte sonst welche Medikamente nehmen können, dann wäre es möglicherweise richtig gefährlich geworden. Hoffentlich bleiben keine Folgeschäden, aber dies ist wohl höchst unwahrscheinlich, schlafen kann ich auch wieder, bis auf meine Fußschmerzen ist also alles wieder in Ordnung. Aber in Zukunft werde ich wohl etwas vorsichtiger bei der Einnahme von Medikamenten sein, deren Wirkstoff ich noch nicht kenne.

Journées européennes du Patrimoine et les Cosmopolitan

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In Lyon wird einem wirklich nicht langweilig, es gibt dermaßen viele Veranstaltungen ,dass man sich regelrecht vierteilen müsste um alles zu erleben. Samstagsfrühs um 11:15 aufgestanden um auch recht viel vom Tag mitzukommen gehts mit dem Rad (erst das dritte war einsatzbereit) in Richtung Pont de la Guillotière wo ich mich mit Verena treffe.Von dort gehen wir zu einem alternativen Brunch im „LiveStation DIY“ mit Elektro Vibes und einem kleinen Flohmarkt in der Rue Bonald.20140920_152839 Kopie

Nach dem wir ein bisschen die Auslagen durchstöbert haben, endlich mal wieder einen Kaffee getrunken und die an Berlin anmutende Atmosphäre genossen haben wollten wir aber auch noch etwas von den Journées du Patrimoine– (in D als Tag des offenen Denkmals bekannt) mitbekommen. An diesen beidenTagen, die seit 1991 in vielen Ländern Europas veranstaltet werden, werden weniger bekannte historische Stätten für die Bevölkerung geöffnet. In diesem Rahmen haben wirdas 20140920_154403aaltehrwürdige Hôtel de Ville und das Gefängnis von Montluc besichtigt.

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Da das 1645 erbaute Rathaus weniger mit sehr bedeutenden historischen Ereignissen in Verbindung gebracht wird, dafür aber mit großartiger Architekur und pompösen Inneneinrichtungen dienen kann, auch hier wieder, lasse ich die Bilder sprechen.  Das Stichwort lautet hier Belle Epoque und Louix XIV. Hier kann der gemeine Franzose sich im Prunk vergangener Zeiten sonnen, das regieren geht hier fast von selbst.


Aufgrund von einer Entzündung im Fuß , die ich höchstwahrscheinlich aufgrund der vielen zurückgelegten Sightseeing Kilometer bekommen habe, gings mit der Metro D wieder zur Uni. Aber nicht weil wir Musterstudenten wären, nein, das ehemalige Gefängnis liegt nur direkt neben unserer Uni (die übrigens früher eine Tabakfabrik war). Mein Wissen über die im zweiten Weltkrieg verübten Greueltaten in Frankreich ist leider nicht sonderlich groß, deshalb waren für mich viele der Geschichten neu und dadurch noch schlimmer anzuhören. Das 1920 erbaute Militärgefängnis wurde20140920_172750 im III Reich für die Internierung und „Zwischenlagerung“ von politischen Gegnern, besonders für Angehörige der Resistance Bewegung und Bürgern jüdischer Herkunft umfunktionalisiert. Dies geschieht nach dem 1940 die Wehrmacht in den Süden Frankreichs, das Vichy-Regime den Collaborateurs einmarschiert. Der Weg durch das Gefängnis, der Blick in jede einzelne Zelle und das Studium der vielen Informationstafeln ist mir dabei von Mal zu Mal schwerer gefallen. Sobald auf den Personentafeln als Todesdatum 1943/44 stand, beziehungsweise im letzten Satz Ausschwitz zu lesen war, musste ich mich zwingen die ganze Geschichte der jeweiligen Schicksale zu lesen. Selbst jetzt beim Schreiben kommen mir fast die Tränen wenn ich an die vielen Kinder denke auf deren Tafeln das unausweichliche Ende- Ausschwitz- zu lesen war. Auf einer Gedenktafel stehen alle Namen der in Konzentrationslagern ermordeten Menschen, die vorher in Lyon eingesperrt waren. Die bloße Tatsache das es eine Kategorie von 0-5 gibt, lässt mir gerade einen kalten Schauer über den Rücken laufen. In solchen Momenten der geschichtlichen Aufarbeitung, in denen man fast nicht mehr Imstande ist zu Reden, ist das beklemmende Gefühl das wohl jeden Deutschen an solchen Orten überfällt am größten. Dies ist wohl auch der einzige Kontext in dem meine Schulstadt, Dachau auf einer Europakarte verzeichnet ist.

So schrecklich der Besuch einer solchen Stätte auch sein mag, so ist es dennoch immens wichtig sich von Zeit zu Zeit das Vergange vor Augen zu führen. Auch wenn es uns komisch vorkommen mag direkt nach so einer Erfahrung zurück zum Alltag zurückzukehren, in der Vergangenheit zu verharren bringt den damaligen Opfern auch nichts mehr. Das Beste was wir meiner Meinung nach tun können ist, das Gefühl des Grauen in unseren Köpfen zu speichern, es immer wieder einmal aufzufrischen und uns vor Augen zu halten wenn wir mit neuerlichen Faschismus konfrontiert werden.

Da ich mein Rservoir gerade erst wieder aufgefüllt habe, trete ich aus den Toren des Gefängnisses und wende mich wieder in die Gegenwart zu profanen Themen.


In diesem Fall, dem Essen, eins der profandsten und gelichzeitig feinsinnigsten Themen. Da wir am Abend noch weggehen wollten, musste für den Hunger ein Kebap herhalten. Bei meinem letzten Besuch habe ich wohl einen Eindruck hinterlassen, der Verkäufer erkennt mich als die Deutsche Studentin (mit algerischen Wurzeln?! Vermutlich nur wegen der Soße- sauce algérienne) wieder.


Am Abend treffen wir uns zum Vorglühen in meinem Wohnheim, bei dem wir versuchen dem Haufen Engländerinnen und den zwei Griechinnen die hier wohnen deutsche Musik nahe zubringen. Ob sie von Sido’s Aurevoir so beeindruckt waren lässt sich schwer feststellen, aber das war auch nicht weiter wichtig. Mit dem Taxi ins Vieux Lyon, wurden wir von dem Türsteher erstmal nicht in den Club reingelassen, ein paar Jungs haben uns zu sich in die Schlange eingeladen, 20140920_172751das hat er wohl als Vordrengeln angesehen. So ein Kindergarten! Naja wenigstens hatten wir dann ein paar Franzosen dabei, die uns in eine coole Bar/Club genommen haben. Das Cosmopolitan befindet sich unterhalb des Croix Rousse und die Atmosphäre ist ziemlich gut. Endlich sind auch nicht mehr nur Erasmus Studenten hier! Nach 4 Stunden angestrengten Tanzens ist hier aber Feierabend und Verena und ich müssen die nächste Velov Station finden um nach Hause radeln zu können. Sechs leere Stationen später haben wir dann endlich ein Rad gefunden, das funktioniert…. Nochmal vier Stationen später habe auch ich endlich ein Rad und es kann nach Hause gehen. Frühs um halb sechs gehts dann auch ins Bett, nach einem abwechslungsreichen, vielseitigen Tag.